Diskussion im Denkmal 3.9.18

Diskussion im Denkmal

Montag, 3. September, 17 Uhr

Rang und Zustand,
Gestalt und Perspektiven
der Barfüßerkirche

Podiumsgespräch

mit
Benjamin Immanuel Hoff
Chef der Thüringer Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten

Andreas Bausewein
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt

Peter Mitsching
langjähriger Leiter des Sachgebiete

Moderation: Richard Schäfer

 

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Rang und Zustand der Barfüßerkirche sind das Ergebnis von achthundert Jahren Erfurter, deutscher und europäischer Geschichte. Sie genießt die Anerkennung als national bedeutsames Bauwerk und ist die letzte Kriegsruine der Thüringer Landeshauptstadt. Zu ihren Ausmaßen wuchs sie in Phasen des Aufschwungs nach gesellschaftlichen Umbrüchen. Feuer und Einsturz zum Trotz überragte sie mit prägender Kraft ihren Standort. Die Zerstörung vor vierundsiebzig Jahren hinterließ ein Restkonstrukt aus Hohem Chor, Nordwand und Westgiebel. Bedeutungsschwer und von gewaltigem Ausmaß überragen diese Mauern die innerstädtische Bebauung und werfen Fragen auf: Welcher Geist ermöglichte den gewaltigen Aufwand und welcher Sinn war ihm zugedacht? Was verbindet sich für uns, die Erben, mit den beeindruckenden Resten und welchen Geist braucht es, um vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Auf- und Umbrüche die Mauern mit einem Leben zu erfüllen, das ihrem Rang angemessen ist? Welches Wissen über den Ort hat dieses dreiviertel Jahrhundert schon verwischt und verschluckt, welches ist notwendig, um seine noch erahnbare Aura in Sinn und Gestalt der Gegenwart zu fassen?

Die Gründer waren der Armut verpflichtet, ihre Stifter demonstrierten Frömmigkeit. Sie wirkten gegen das Elend vor Ort, ihr Beziehungsgeflecht umfaßte gleichzeitig den ganzen Kontinent. Der apolitische Ort geriet immer wieder in die Politik, wurde sogar Zuflucht eines politisch ambitionierten Erzbischofs. Der Neubau nach dem Feuer von 1291 beeindruckt mit vollkommener Synthese aus franziskanischer Strenge und geforderter Repräsentation, die Glasmalereien sind von höchstem Rang, Steinmetzarbeiten stilprägend. Erfurts erster reformierte Prediger, Ägidius Mechler, führte in seiner bisherigen Klosterkirche eine riesige Gemeinde. Ihr Musikleben beeinflußte später die Musikgeschichte. Fürsorge und Schulbildung setzten Maßstäbe...

Die Barfüßerkirche steht für die franziskanische Friedensbotschaft, für den bedeutendsten Kirchenbau des Ordens in Mitteleuropa, für weitgespanntes Denken und Handeln. 1977 übereignete die Gemeinde ihr kostbares Erbe der Stadt Erfurt, 1977 übernahm die Stadt die Verantwortung für dessen Gestalt und Perspektiven. Noch wartet der inhaltsschwere Ort auf seine Wiedergewinnung, denn Rang und Zustand der Barfüßerkirche befinden sich in eklatantem Widerspruch.