Lutherpredigt 1529

Am 11. Oktober 1529 predigte Martin Luther in der Barfüßerkirche.

480 Jahre später, am 11. Oktober 2009, erinnerten Predigergemeinde und Arbeitsgruppe Barfüßerkirche mit einem Brückengottesdienst an dieses Ereignis.

Pfarrer Johannes Staemmler würdigt dieses Ereignis:

Vor 480 Jahren auf den Tag genau, am 11. Oktober 1529, hielt Martin Luther in der Erfurter Barfüßerkirche eine Predigt . Es ist, so viel wir wissen, die einzige Predigt, die er in dieser Kirche hielt. In den Turbulenzen der Reformation, die sich ja auch in den Lebensumständen des Reformators widerspiegeln, predigt er über eine Stelle aus dem Johannesevangelium Kapitel 5, Vers 43: Christus spricht: „Ich bin gekommen in meines Vaters Namen“.

Der Bauernkrieg ist gerade vorüber, mit all seinen Gräueln. Luther ist immer noch in Acht und Bann. Er kann sich nur dort sicher bewegen, wo Fürsten und freie Städte ihm wohl gesonnen sind. Das ist auch in Erfurt der Fall. Hier ist die Reformation mit dem Jahr 1525 eingeführt worden. Aber was besagt das schon. In den Klöstern, so auch im Kloster der Franziskaner, lebten weiter Mönche.

Martin Luther war auf dem Rückweg aus Marburg. Hier fanden auf Anregung des Hessischen Landgrafen Philipp I. Religionsgespräche besonderer Art statt. Die Konflikte, die mit der Reformation offenkundig wurden, betrafen nicht nur Katholiken und Protestanten. Auch zwischen den Reformatoren gab es reichlich Streit, unter anderem und besonders heftig darüber, was eigentlich beim Abendmahl geschieht, also ob da Christus nun „nur“ symbolisch anwesend oder tatsächlich, wie Luther meinte, real gegenwärtig sei.

Diese sogenannten Marburger Religionsgespräche begannen am 29.9. und endeten am 4.10.1529. Dann reiste Luther aus Marburg ab und traf einige Tage später in Erfurt ein.

Ob der Predigt etwas davon anzumerken ist, mag jeder nach dem Lesen selbst entscheiden.

Mit dem Gottesdienst am 11.10.2009 wollen wir an diese Predigt erinnern. Aber nicht nur das. Mit diesem Gottesdienst, der in der Predigerkirche beginnt und in der Barfüßerkirche beendet wird, rückt auch wieder die Ruine der alten Franziskanerkirche zu Erfurt in den Blick, die eine der größten und beeindruckendsten Kirchen des mittelalterlichen Erfurt war. Auch heute noch ahnt man etwas von ihrer einstigen Größe. Seit 1977 ist die Barfüßerkirche, wie sie immer genannt wird, im kommunalen Eigentum. Die einstige Barfüßergemeinde ist seitdem Teil der Predigergemeinde. Das mag auch der Grund sein, warum dieser Gottesdienst in der Predigerkirche beginnt.

Es ist der Arbeitsgruppe „Barfüßerkirche“ zu danken, dass sie die Predigt Luthers zum Anlass genommen hat, auf die Bedeutung dieser alten Bettelmönchskirche aufmerksam zu machen, auch wenn sie heute als Ruine Zeichen nicht nur einer langen franziskanischen Tradition sondern auch Erinnerung an die letzten Tage des II. Weltkrieges ist.

 

Johannes Staemmler, Pfarrer der Ev. Predigergemeinde

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  • Jahreszahl: 1529